Das Experiment: Malariaforschung in den Berner Alpen


An einem Sommertag im Juli 1953 packte Thierry Freyvogel, Doktorand am Schweizerischen Tropeninstitut in Basel, einen Käfig mit Küken, einen Stamm mit Malaria-Erregern (Plasmodium gallinaceum) und etliche Laborutensilien und machte sich auf in Richtung Jungfraujoch. Sein Ziel war die Hochalpine Forschungsstation, die ihm von deren Präsident, Alexander von Muralt, für die Dauer seines Experiments zur Verfügung gestellt worden war. Wenn Freyvogel aus dem Fenster der Station blickte, sah er das atemberaubende Bergpanorama der Berner Alpen; wenn er seinen Blick auf den Labortisch senkte, dann gewahrte er die Küken, in denen er den Verlauf einer Malaria-Infektion studieren wollte.


Der Ansporn zu diesem kühnen Unterfangen kam aus der Kolonie Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania. Der berühmte deutsche Bakteriologe Robert Koch riet seinen an Malaria erkrankten Landsleuten, in die Usambara-Berge zu reisen, um sich in der kühlen Bergluft von der tödlichen Krankheit zu erholen. Doch hatte die Höhe überhaupt einen Einfluss auf das Blutstadium des Malaria-Parasiten im menschlichen Körper? Oder war es lediglich das kühle Klima, das der Malaria-Mücke wenig Chancen auf ein Überleben in den Bergen bot? So lautete die Forschungsfrage, auf die Freyvogel in den Alpen eine Antwort zu finden hoffte.


Für seine Analyse des Infektionsverlaufes der Malaria experimentierte er mit drei verschiedenen Versuchsreihen. Nebst der Jungfraujoch-Gruppe wurde eine Gruppe Hühner unter normalen atmosphärischen Bedingungen in Basel gehalten. Für eine dritte wiederum wurde am Tropeninstitut eine eigens dafür konstruierte Unterdruckkammer verwen-

det. In dieser konnte der Sauerstoffgehalt so weit abgesenkt werden, dass dieser den Bedingungen auf dem Jungfraujoch entsprach.


Das Resultat war aus der Sicht des Wissenschaftlers Freyvogel wenig aufschlussreich: Die Hühner erkrankten an Malaria ungeachtet dessen, ob sie nun auf dem Jungfraujoch, in Basel oder in der Unterdruckkammer gehalten wurden. Ob das Höhenklima beim Verlauf einer akuten Malaria eine Rolle spielte, konnte Freyvogel nicht beantworten: Die Berge blieben ihm eine Antwort schuldig.



Literatur: Thierry Freyvogel, Zur Frage der Wirkung des Höhenklimas auf den Verlauf akuter Malaria, Inauguraldissertation, Universität Basel 1956.

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