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Nachruf: Prof. Dr. Leo Jenni (7.6.1941 - 24.05.2026)

Am 24. Mai 2026 ist der ehemalige Präsident der R. Geigy-Stiftung, Leo Jenni, im Alter von 85 Jahren verstorben. Mit ihm verlieren wir einen weitsichtigen, sozial engagierten Menschen, einen herausragenden Wissenschaftler und einen lieben Freund.


Aufgewachsen in Diegten im Oberbaselbiet, erlebte Leo Jenni schon früh, wie wichtig ein harmonisches Miteinander von Mensch und Umwelt für das Wohlergehen einer Gesellschaft ist – und wie sorgfältig wir diese Balance bewahren müssen. Nach einer Berufslehre als Metallbauzeichner und einigen Jahren praktischer Tätigkeit verspürte er den unbändigen «Gwunder», die grösseren Zusammenhänge des Lebens besser zu verstehen. Parallel zu seiner Lehre bereitete er sich – auch auf Anraten des damaligen Dorfpfarrers – auf die Matura vor.

Nach dem Studium der Biologie und geprägt von seinem verehrten Lehrer Prof. Dr. Rudolf Geigy, dem Direktor des damaligen Schweizerischen Tropeninstituts (heute: Swiss TPH), promovierte Leo Jenni 1972 mit einer wegweisenden Arbeit zur Biologie der Zecken auf dem Gebiet der Infektionsbiologie.


Inspiriert von den zahlreichen offenen Fragen der Infektionsbiologie, insbesondere im Bereich der vernachlässigten Tropenkrankheiten, widmete er sich in den folgenden Jahren - vor allem zusammen mit seinem Studienfreund Rolf Steiger - grundlegenden Fragestellungen zur Afrikanischen Schlafkrankheit und deren Übertragung bei Mensch und Tier. Dank der einzigartigen Möglichkeiten der bereits in den Gründungsjahren des heutigen Swiss TPH aufgebauten Tsetse-Fliegen-Zucht gelangen ihm bedeutende Erkenntnisse zum Verhalten der Tsetse-Fliegen, zur Übertragungsdynamik sowie zur genetischen Rekombination der Trypanosomen, den Erregern der Krankheit. In enger Zusammenarbeit mit Forschungspartnern in England und Kenia schuf er damit nicht nur wichtige biologische Grundlagen, sondern prägte auch die Strategien zur Bekämpfung der Schlafkrankheit.


Energie und Freude für seine wissenschaftliche Arbeit schöpfte Leo Jenni jeweils aus seinen fruchtbaren Forschungsreisen und dem ständigen Austausch zwischen Labor- und Feldforschung in Afrika. Ebenso wichtig war ihm das Erkunden der Welt, ihrer Kulturen und Ökosysteme, zusammen mit seiner Frau Ursula, mit der er seit seiner Schulzeit tief verbunden war. Eine besondere Quelle zur Inspiration und Erholung fanden die beiden ab den 1908er-Jahren auf dem Petit Kohlberg im Elsass. Dieser wunderbare Rückzugsort, entstanden aus der Verbindung mit der Künstlerfamilie von Fritz Bühler und seinen Töchtern Jacqueline und Simone Bühler, wurde für viele Angehörige des Swiss TPH und der Universität Basel zu einem Ort der Begegnung, des Nachdenkens und des Visionierens. Hier entstanden neue Ideen, Perspektiven und Freundschaften.


1991 wurde Leo Jenni zum Gründungsdirektor des interdisziplinären Programms «Mensch-Gesellschaft-Umwelt» der Universität Basel berufen. Das Programm war eine zukunftsweisende, wissenschaftliche Antwort des Kantons Basel-Landschaft auf die Schweizerhalle-Katastrophe von 1986. In dieser Funktion entwickelte Leo Jenni die am Swiss TPH begonnenen inter- und transdisziplinäre Ansätze konsequent weiter und begeisterte Generationen von Studierenden. Für seine international anerkannten Forschungsleistungen und sein Engagement für nachhaltige Ökosysteme wurde ihm im Jahr 2001 der Wissenschaftspreis der Stadt Basel verliehen.


Mit Leo Jenni verlieren wir einen visionären Biologen und Ökologen sowie einen sehr engagierten Lehrer, der uns stets vorlebte, wie man zu einer besseren und gesünderen Welt beitragen kann.

Wir sind ihm unendlich dankbar und sprechen seiner Familie unser tiefstes Beileid aus.

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