top of page

«One Health» mit neuem Gesundheitsverständnis gegen die nächste Pandemie

Zerstörung von Biodiversität, Massentierhaltung und unregulierte Wildtiermärkte begünstigen Zoonosen, das Überspringen von Viren von Tieren auf den Menschen. Die Covid-19-Pandemie zeigt die Risiken solcher Zoonosen für die menschliche Gesundheit. Der «One Health»-Ansatz fordert eine holistische Perspektive auf Gesundheit und rückt die Verbindungen zwischen Umwelt, Mensch und Tieren in den Fokus. Dazu wird weltweit geforscht – auch am Swiss TPH in Basel.

Samuel Schlaefli




Am «World Health Summit» in Berlin treffen sich jährlich die wichtigsten Vertreter und Vertreterinnen der globalen Gesundheits- und Entwicklungszusammenarbeit. Im Oktober 2021 waren WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus, UN-Präsident Antonio Guterres, UNICEF-Di-

rektorin Henrietta Fore und der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité vor Ort. Zwei Themen prägten die Diskussionen am Gipfel: Wie gelingt es, zukünftige Pandemien wie Covid-19 zu verhindern – und welche Rolle spielt dabei eine «One Health»-Perspektive? Eine wachsende Gruppe von Public Health-Experten ist überzeugt, dass Gesundheit als ein Zusammenspiel zwischen Menschen, Tieren und der Umwelt betrachtet werden muss. Die jüngste Erfahrung der Covid-19-Pandemie hat sie gelehrt: Die einseitige Fokussierung auf den Menschen führt in die Sackgasse. Infolge der globalen Gesundheitskrise seit 2020 und

als Reaktion auf die zunehmenden gesundheitlichen Konsequenzen der Klimakrise wurde das Konzept der «One Health» auch ausserhalb von Hochschulen und Entwicklungsorganisationen bekannt. Im Mai 2021 gründete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gar ein «One Health

High Level Expert Panel» (OHHLEP), dem renommierte Epidemiologen, Virologinnen, Immunologen und Umweltwissenschaftlerinnen angehören. Gemeinsam sollen sie einen

globalen Plan gegen den Ausbruch von weiteren Pandemien erarbeiten – unter einem «One Health»-Blickwinkel.


Riesiges Reservoir an Infektionskrankheiten

Seit Jahren warnen Forschende vor Zoonosen, also vor Pa-thogenen, die aufgrund von Mutationen von Tieren auf den Menschen überspringen können. Von rund 1400 bekannten

Infektionskrankheiten haben 60 % einen tierischen Ursprung. Bei neueren, sich stark verbreitenden Infektionskrankheiten, wie HIV, Zika oder SARS, sind es sogar 75 %.

Zoonotische Pathogene können unter anderem Viren, Bakterien und Pilze sein. Die meisten Pandemien, darunter die Spanische Grippe, HIV/Aids und Covid-19, gehen auf zoonotische Erreger zurück. Obschon die Herkunft des Virus SARS-CoV-2 bis heute nicht restlos geklärt ist, deuten viele Studien auf einen zoonotischen Ursprung hin. Der «Spill-over», also der Übersprung vom Tier auf den Menschen ereignete sich wahrscheinlich Ende 2019 auf dem «Wuhan Huanan Seafood Wholesale Market», wo Wildtiere unter erbärmlichen Zuständen zum Verzehr verkauft wurden.


Im Angebot waren Schleichkatzen, Marderhunde, Wildschweine und Siam-Krokodile. Teils auch Arten, die vom Aussterben bedroht waren, illegal gejagt oder gefangen. Das steigende Risiko durch Zoonosen ist nicht neu: Die Umweltwissenschaftlerin Kate Jones zeigte bereits 2008

in einer Studie, dass die Anzahl zoonotischer Erreger seit den 1940er-Jahren stark zugenommen hat. In den 1980er-Jahren wurden beinahe fünfmal so viele registriert wie noch

in den 1940er-Jahren. Allein zwischen 2011 und 2018 dokumentierte die WHO 1483 Epidemien in 172 Staaten, darunter SARS, Ebola, die Pest, Grippe, Zika und Gelbfieber –

viele davon mit zoonotischem Ursprung. Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) schätzt, dass rund 1,7 Millionen Viren in Säugetieren und Vögeln vorkommen, die uns noch nicht bekannt sind. Davon haben zwischen 540 000 und 850 000 ein zoonotisches Potenzial und könnten auf den Menschen überspringen.


Auch die Gründe für die zunehmenden Zoonosen sind weitgehend bekannt: 2020 haben Expertinnen und Experten für das Umweltprogramm der UN (UNEP) die Ergebnisse von

167 Studien zur Herkunft von Zoonosen und den Ursachen von Pandemien zusammengetragen. Ihr Fazit: Die Waldrodung und der Verlust an Biodiversität gehören zu den wichtigsten Treibern von Zoonosen. Mit dem Verlust von tropischen Regenwäldern und der darin befindlichen Biodiversität geht der natürliche Verdünnungseffekt verloren, da der Reichtum an Tieren und Pflanzen als Puffer für Pathogene wirkt. In biodiversen Ökosystemen können sich Krankheitserreger nur langsam ausbreiten. Studien zeigen, dass diese Pufferkapazität in Ökosystemen sinkt, die durch den Menschen stark verändert wurden. So zum Beispiel bei Soja-und Palmöl-Monokulturen oder Waldrodungen für die Rinderzucht. Unter solchen Bedingungen können sich Wirte von zoonotischen Krankheiten stärker ausbreiten, was den Austausch von Pathogenen zwischen Wildtieren, Nutztieren und dem Menschen begünstigt. Das zeigt sich zum Beispiel beim Ebola-Virus, das seit den 90er-Jahren immer häufiger auftaucht. Die Ausbrüche betrafen meist Orte in Zentral- und Westafrika, wo grosse Waldrodungen stattgefunden hatten.


Hinzu kommt, dass der Mensch tiefer in zuvor unberührte Gebiete mit hoher Artenvielfalt vordringt. Zum Beispiel durch den Strassenbau für die Ausbeutung von Öl oder Kupfer in Regenwäldern. Dadurch kommt er zunehmend mit Wildtieren und ihren Viren in Kontakt. Fachleute nennen dieses Phänomen «Encroachment». Ein Beispiel dafür ist das Aufkommen des Nipah-Virus im Südosten Malaysias, in einem Ort namens Sungai Nipah. Findige Unternehmer hatten dort grosse Schweinezuchten unter freiem Himmel aufgebaut. Im Jahr 1997 verendeten die ersten Schweine an einer unbekannten Krankheit. Kurz darauf erkrankten Mitarbeitende in der Zucht an einer tödlichen Hirnhautentzündung. Später traf es auch Mitarbeitende eines Schlachthofs in Singapur, wo das Fleisch für den Export nach China vorbereitet wurde. Im vorwiegend muslimischen Malaysia wird praktisch kein Schwein gegessen.


Laboruntersuchungen zeigten bald: Es handelte sich um ein ansteckendes Virus, dessen natürliches Reservoir in fruchtfressenden Fledermäusen liegt. Solche wurden zuvor durch Brandrodungen für die Palmölproduktion aus ihren natürlichen Habitaten auf Borneo vertrieben. In den Fruchtbäumen entlang der Schweinezucht suchten sie daraufhin nach Fressen. Durch Kot, Urin oder angefressene Früchte infizierten sich zuerst die Tiere und später die Menschen mit dem Nipah-Virus. Massentierhaltung begünstigt die Verbreitung, denn je grösser eine genetisch identische Population auf kleinstem Raum ist, desto stärker breiten sich Viren aus, mutieren und können auf den Menschen überspringen. Die Infektion verlief fast in der Hälfte der Fälle tödlich: Von 265 Infizierten starben 108. Seither ist das Virus an verschiedenen Orten in Südostasien wieder aufgetaucht und hat bis 2018 über 700 Menschen infiziert. Im August 2022 identifizierten Forschende in Ostchina ein neues zoonotisches Virus, das dem Nipah-Virus verwandt ist. Das Langya-Virus (LayV) führt zu Fieber, Husten und Müdigkeit, ist je-doch weniger ansteckend und nicht tödlich.


Ursachen angehen anstatt Symptombekämpfung

Jakob Zinsstag gehört zu einer Gruppe von Epidemiologen und Epidemiologinnen, die bereits lange vor der Covid-19-Pandemie vor Zoonosen warnten. Seit mehr als 20 Jahren unterstützt der Veterinärmediziner und Professor am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) Staaten in Asien und Afrika dabei, Epidemien unter Kontrolle zu bringen. Bereits 2005 warnte er im medizinischen Fachmagazin «The Lancet» vor einer Pandemie, deren Epizentrum auf Wildtiermärkten oder in der Massentierhaltung liegt. Die Forschung für neue Impfungen und antivirale Medikamente allein werde uns nicht vor künftigen Epidemien und Pandemien retten, argumentierte er.


Anstatt nur Symptome zu bekämpfen, forderte er, die Ursachen ins Zentrum der Diskussion zu rücken. Der mittlerweile viel zitierte Artikel erschien zwei Jahre nach dem SARS-Ausbruch in der chinesischen Provinz Guangdong. Das neuartige Coronavirus breitete sich in 26 Staaten in Asien, Europa, Nordamerika und Südamerika aus. Dessen Eindämmung kostete die Welt rund 40 Milliarden US-Dollar, 774 Menschen starben. Das natürliche Reservoir von SARS lag in Fledermäusen. Von dort sprang das Virus auf den Larvenroller über, eine Schleichkatzen-Art. Der entscheidende «Spill-over», der Übersprung auf den Menschen, fand mit grosser Wahrscheinlichkeit auf einem Wildtiermarkt statt, wo die Katzen zum Verzehr verkauft wurden. Zinsstag forderte, dass die tierischen Reservoire für Krankheitserreger besser überwacht werden. «Die einseitige Fokussierung auf den Menschen führt bei der langfristigen

Pandemiebekämpfung in die Sackgasse», sagt er heute.


«Vielmehr müssen wir Gesundheit als ein Zusammenspiel zwischen Menschen, Tieren und Umwelt verstehen.» Covid-19 sei weder für ihn noch die meisten anderen Fachleute, die

sich mit Zoonosen beschäftigen, überraschend gekommen.


Pilotprojekt im Tschad

Jakob Zinsstag leitet am Swiss TPH die Forschungsgruppe «One Health». Er gehört international zu den Pionieren auf dem Gebiet und hat über 20 Jahre Erfahrung in der Imple-

mentierung von One Health-Projekten. Sein Interesse für eine Tier-Mensch-Umwelt-Medizin begann 1998 im zentralafrikanischen Tschad. Marcel Tanner, der damalige Leiter des Swiss TPH, beauftragte den gelernten Tierarzt mit einem Forschungsprojekt zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung der tschadischen Nomaden. Zinsstag schrieb damals gerade an seiner Doktorarbeit. Für Nomaden sind Kamele, Rinder, Ziegen und Esel das wichtigste Kapital,

entsprechend eng leben sie mit ihren Tieren zusammen. Das macht sie besonders anfällig für Zoonosen. Der Forscher erkannte bald, dass zwar viele Tiere gegen eine Reihe von Krankheiten geimpft waren, nicht aber die Nomaden. Kein einziges Kind war vollständig gegen Keuchhusten, Diphtherie oder Starrkrampf geimpft. Da Nomaden ständig in Bewegung sind und Wasser- und Futterquellen hinterherreisen, fallen sie durch die Maschen des nationalen Gesundheitssystems. Entsprechend hoch war die Kindersterblichkeit.


Im Tschad erinnerte sich Zinsstag an das Werk von Calvin Schwabe, einem amerikanischen Veterinärmediziner und Epidemiologen, der bereits in den 1960er-Jahren ein Zusammendenken von Veterinär- und Humanmedizin gefordert hatte, denn schliesslich basierten beide Disziplinen auf denselben wissenschaftlichen Grundlagen. Die Medizinhis-

torikerin Abigail Woods beschreibt im Buch «Animals and the Shaping of Modern Medicine: One Health and its Histories», dass mit der Gründung der ersten Veterinärschule in Lyon im Jahr 1761 die Trennung von Human- und Veterinärmedizin erstmals institutionalisiert wurde – und damit auch das Denken in Silos. Die Humanmedizin galt fortan als Königsdisziplin, die Veterinäre hingegen als Zweitklassmediziner, denen immer etwas Stallgeruch anhaftete.

Diese Institutionalisierung des Silodenkens ist auch aus naturwissenschaftlicher Perspektive erstaunlich. Das menschliche Genom ist zu 99 % identisch mit demjenigen von Menschenaffen und zu 95 % mit demjenigen von Schweinen. Ein Virus, das ein Schwein dahinrafft, kann deshalb mit grosser Wahrscheinlichkeit auch beim Menschen Böses anrichten. «Wir müssen Public Health-Systeme anders denken», sagt Zinsstag. «Viren und andere Pathogene können sich zwischen Tieren und Menschen relativ einfach hin- und herbewegen. An diesen Schnittstellen müssen wir ansetzen.» Er ist überzeugt: Um Menschen gegen Zoonosen wie Tollwut, Ebola, MERS, die Vogelgrippe und SARS-CoV-2 zu schützen, muss man übers Tier gehen. Das heisst, dass zoonotische Erreger in Tieren, die als natürliche Reservoirs bekannt sind, besser überwacht werden. Und nicht nur Menschen, sondern auch Tiere gegen Infektionskrankheiten geimpft werden, am besten gleich gemeinsam.


Im Tschad hatte der Forscher mit dieser Strategie erstmals Erfolg: Sein Team brachte Humanmedizinerinnen mit Veterinären in einen Dialog. Wenn immer Letztere ins Feld gingen, um Tiere zu impfen, nahmen sie Gesundheitspersonal für die Impfung von Kindern mit. 2005 waren erstmals rund 10 % der Kinder zwischen ein und elf Monaten komplett gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Masern geimpft. Gleichzeitig stieg die Rate an Impfungen von 100 pro Tag bei Kindern und Frauen auf 130 an. Das rettete nicht nur Leben, sondern war auch ökonomisch sinnvoll: Indem die Ämter für Veterinär- und Humanmedizin nun eng kooperierten, konnten Transportkosten für Personal und Material sowie Kosten zum Kühlen der Impfdosen stark reduziert werden. Seither versucht der Epidemiologe Behörden weltweit davon zu überzeugen, dass mit einem integrierten Gesundheitssystem, das einen One Health-Ansatz verfolgt, viel Geld gespart werden könnte.


Von der Theorie in die Praxis

Der Arzt und Klimaaktivist Eckart von Hirschhausen stellte auf dem zu Beginn des Artikels erwähnten Gesundheitsgipfel in Berlin fest: «One Health ist wie der Weltfrieden. Alle finden ihn gut, aber niemand weiss, wie man ihn erreicht.» Tatsächlich wissen bis heute noch die wenigsten Gesundheitsexpertinnen und -experten, wie sich die «eine Gesundheit» operationalisieren und in öffentlichen Gesundheitssystemen verankern lässt. Dabei gibt es mittlerweile durchaus Best Practice-Beispiele: Das «Canadian Science Centre for Human and Animal Health» in Winnipeg betreibt Labors für hochansteckende Krankheiten (Biosicherheits-

stufe 4) bei Tier und Mensch unter einem Dach. Es spart dadurch laut Schätzungen der Weltbank 26 % der Betriebskosten gegenüber zwei geteilten Institutionen.


In der Emilia Romagna (Italien) ist seit 2013 ein Überwachungssystem für das Westnil-Virus in Betrieb, das auf der Beprobung bei Tieren und Menschen beruht. Das Virus, das über Mücken übertragen wird, hat sich in den vergangenen Jahren, begünstigt durch die globale Erhitzung, stark ausgebreitet und könnte bald auch in der Schweiz auftreten. Um mögliche Herde sofort einzudämmen, werden Mücken, Wildvögel, Pferde und Menschen dort regelmässig auf das

Virus untersucht. Zinsstags Forschungsgruppe am Swiss TPH arbeitet derzeit an mehreren One Health-Projekten. Im Tschad ist ein «Impfring» für Hunde um die Hauptstadt N’Djamena ge-

plant. Indem an Checkpoints rund um die Stadt mitgeführte Hunde geimpft werden, soll die Tollwut ausgerottet werden, ebenfalls ein zoonotisches Virus, an dem laut WHO jährlich mindestens 59 000 Menschen weltweit sterben, vor allem in Afrika und Asien. «Das ist viel günstiger, als wenn wir die ganze Bevölkerung von N’Djamena impfen würden», erklärt der Epidemiologe. Bei kleinen öffentlichen Public Health-Budgets sind die Kosten zentral, um möglichst viele Menschenleben zu retten.


Im Osten Äthiopiens, in der Region Somali, baut Zinsstags Team gemeinsam mit der Schweizer Tierärztin und Swiss TPH-Mitarbeiterin Rea Tschopp (siehe Fieldnotes No. 4) und lokalen Partnern ein integriertes Überwachungs- und Reaktionssystem für zoonotische Krankheiten auf. Ein zentrales Element der «Jijigga One Health Initiative» (JOHI)ist, dass die beiden Spezialisten für zoonotische Krankheiten bei Tieren und Menschen gemeinsam in einem Büro

sitzen. Sie tauschen sich fortlaufend darüber aus, welche Infektionskrankheiten bei Tieren eine Gefahr für den Menschen darstellen könnten. Kommt es zu ungewöhnlichen Krankheits- oder Todesfällen bei Tieren, werden diese beprobt und wenn nötig die Bevölkerung vor dem Kontakt mit den Tieren oder dem Verzehr von bestimmten tierischen Produkten gewarnt.

Prävention zehntausend Mal günstiger Im Jahr 2012 rief die Weltbank erstmals die Mitgliedstaaten dazu auf, verstärkt in eine systematische Kontrolle von Zoonosen zu investieren – in erster Linie aus ökonomischen Gründen. Allzu viel Gehör fand sie damit nicht.

Heute werden weltweit pro Jahr rund 4 Milliarden US-Dollar für die Zoonose- und Pandemieprävention ausgegeben. Viel zu wenig, sagen Fachleute. Der Weltwährungsfond prognostizierte die kumulativen Kosten der Covid-19-Pandemie bis 2025 auf 22 000 Milliarden US-Dollar (22 Billionen). Hinzu kommen die humanitären Folgen: Nach 20 Jahren der Armutsreduktion steigt die globale Armut seit Pandemiebeginn wieder signifikant an. Jakob Zinsstag fordert deshalb gemeinsam mit über 20 Public-Health-Experten und -Expertinnen in einem noch nicht publizierten Artikel ein funktionierendes globales Pandemiepräventionssystem basierend auf einem «One Health»-Ansatz. Die Autoren und Autorinnen rechnen darin vor, dass ein solches System in Hinblick auf die aktuellen Ausgaben zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie zehntausend Mal günstiger wäre.


Am Berliner Gesundheitsgipfel, wo sich WHO-Vertreter, Forscherinnen, Mitarbeitende von Entwicklungsagenturen und Politikerinnen zu Public Health-Themen austauschten, sparte Jakob Zinsstag nicht mit Kritik am Status Quo. Bei vielen Stiftungen und Organisationen, die jährlich Millionen in Public Health und Impfprogramme investierten, sei das Interesse an einer «One Health» noch immer marginal. Sein Vorschlag, nicht nur Kinder, sondern auch Tiere zu impfen, um die Kinder besser vor zoonotischen Infektionen zu schützen, sei bei internationalen Impfkampagnen bislang auf taube Ohren gestossen, erzählte er vor versammelter Prominenz. Die Verantwortlichen hätten ihm jeweils beschieden, dass dies nicht zur etablierten Strategie passe. «An solchen Aussagen sieht man, wo bis heute die echten

Hürden für einen Paradigmenwechsel im Gesundheitssystem liegen», sagt der Basler Epidemiologe.


Zurück zur Übersicht

bottom of page