Nachruf: Prof. Dr. Hermann Hecker

1. Oktober 1939 bis 6. April 2020



Als Sohn eines Chemikers, der in Uster – im Züribiet – aufwuchs, war Hermann Hecker die Begeisterung für Naturwissenschaften gleichsam in die Wiege gelegt. Nach der Matura 1959 im Basler Realgymnasium schrieb sich Hermann Hecker für ein Studium der Zoologie an der Universität Basel ein, wo ihn besonders Rudolf Geigy, der Gründer und erste Direktor des Schweizerischen Tropeninstituts mit seinen Ausführungen zur Entwicklungsbiologie von Erregern und Überträgern von tropischen Krankheiten faszinierte.


Bereits 1964 führte Rudolf Geigy die Elektronenmikroskopie am Schweizerischen Tropeninstitut (heute Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut; Swiss TPH) ein, als erste universitäre Institution in Basel. Hermann Hecker nutzte diese moderne Technik, die ganz neue Dimensionen der Forschung ermöglichte. In den folgenden Jahren baute Hermann Hecker die Elektronenmikroskopie massgeblich aus und lieferte wichtige, international beachtete, Forschungsbeiträge und Methodenentwicklungen zu quantitativen Strukturanalysen von Organismen, die halfen, Funktionen und Prozesse besser zu verstehen. 1966 wurde Hermann Hecker mit seiner Dissertation «Das Zentralnervensystem des Kopfes und seine postembryonale Entwicklung bei Bellicositermes bellicosus(Smeath.) (Isotoptera) am Swiss TPH promoviert. Seine nachfolgenden Forschungsarbeiten, insbesondere zum Verständnis der Wirt-Parasitbeziehungen, führten zur Habilitation und zur Ernennung zum ausserordentlichen Professor an der Universität Basel. Hermann Hecker war langjähriges Mitglied der Institutsleitung des Swiss TPH und setzte sich auch besonders stark für die universitäre Lehre und die Aus- und Weiterbildung aller Stufen ein. So wirkte er über Jahre als Mitherausgeber von wissenschaftlichen Zeitschriften (z.B. die ehemalige Hauszeitschrift Acta Tropica) und brachte seine Erfahrungen engagiert und erfolgreich über viele Jahre in der Basel-städtischen Kommission für Studierende aus Entwicklungsländern ein. Mit Kurzgeschichten über seine Erfahrungen spann er wichtige Brücken von der Wissenschaft zur breiten Öffentlichkeit.


Wie sein Doktorvater und Mentor Rudolf Geigy lebte Hermann Hecker das pragmatische Vorgehen und beschränkte sich nicht auf das Studium molekularer Strukturen. Er war ein grosser Naturliebhaber und engagierte sich für Praktika und Kurse in der freien Natur, sei es an einem Biotop im Oberbaselbiet oder in Afrika. So wurden Labor und Feld in Forschung und Lehre iterativ und nachhaltig verbunden.


Die Faszination für die Erreger und Überträger von Krankheiten und die Liebe zur Natur haben ihn nie verlassen. Hermann Hecker war ein engagiertes Mitglied der Naturforschenden Gesellschaften, war bis zum Hinschied freiwilliger Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums in Basel und privat leidenschaftlicher Pilzsammler und –kenner, der dieser Passion auf einsamen, kaum verratenen Pfaden durch das Leimental, Elsass und andere Regionen folgte. Am 6. April 2020 verstarb Hermann Hecker im Alter von 80 Jahren. Aus diesen Erinnerungen spricht unsere grosse Dankbarkeit für die gemeinsamen Jahre und die uns auch heute noch bereichernden Leistungen von Hermann Hecker für die Entwicklungen am Swiss TPH und der Universität Basel und damit seinen Einfluss auf Generationen von Studierenden für ein besseres Verständnis von Wohlbefinden in unserer Umwelt. Seiner Familie sprechen wir unser tief empfundenes Beileid aus.


Marcel Tanner


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